Gönnen Sie Sich den Josephspfennig!

Zinsen sind ja schon eine schöne Sache, zumindest solange sie auf vorhandenes Kapital gerechnet werden und nicht die Schulden vergrößern, aber dann gibt es wohl eine noch schönere Sache: Zinseszinsen!
Seit langer Zeit beschäftigt das Thema vom exponentiell wachsenden Vermögen durch Zinseszinsen die Menschheit.
Das Gedankenexperiment vom englischen Ökonom und Moralphilosophen Richard Price verblüffte schon 1772 und animiert auch heute noch zum Sparen. Vermögen, das mit Zinseszinsen verrechnet wird, wächst anfangs sehr langsam. Ist also keine gute Methode um kurzfristig zu mehr Geld zu kommen, um sich etwas schnell zu finanzieren. Aber mit ein wenig Geduld ist es eine wahre Goldgrube: die Rate wird nach einiger Zeit immer größer und wächst zudem noch immer schneller.
Richard Price verdeutlichte diesen Effekt mit folgender Überlegung:

Hätte jemand im Jahre Null, also zu Anbeginn unserer Zeitrechnung, einen Penny einer Bank geliehen und das mit 5% Zinseszinsen, der hätte schon damals, vor über 200 Jahren zu Price Lebzeiten so ein unvorstellbares Vermögen mit diesem Herborgen verdient, dass unsere ganze Welt und alles Gold unserer Welt diesen Betrag nicht einmal annähernd aufwiegen kann.
Price hat das allerdings nur als Gedankenexperiment und als gutes Argument für das Sparen gedacht, er zog im Nachhinein den Spott eines weiteren bekannten Nationalökonomen auf sich: den Karl Marx’. In Marx’s „Kapital“ wird an Price’s Theorie kritisiert, dass sie keine das Wachstum beschränkenden Bedingungen berücksichtigt.
„Josephspfennig“ heißt der Penny, den Price beschrieb, durch die Vorstellung, dass Joseph ihn bei Jesu Geburt angelegt hatte.
Wen das Thema fasziniert, der kann sich mit Andreas Eschenbachs Roman „Eine Billion Dollar“ weiter mit dem Wunder des Zinseszins auseinandersetzen. Eschenbachs Hauptprotagonist, ein armer Pizzalieferant, wird plötzlich zum Erbe des Vermögens, dass einer seiner Vorfahren 500 Jahre zuvor angelegt hat.
Die Theorie des Zinseszins, also die mathematische Beschreibung von schrittweisem exponentiellem Wachstum war übrigens schon den Babyloniern geläufig, die dieses Wissen in eine Legende packten, die „Weizenkornlegende“.

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